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Religion

Der Religionsvielfalt gerecht werden

Das friedliche Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Religionen, Weltanschauungen und Herkunft ist eine gesellschaftliche Errungenschaft, die in einer zusammenwachsenden Welt aktiv gepflegt werden muss.

Seit rund 500 Jahren steht der Kanton Bern in einem engen Verhältnis zur evangelisch-reformierten Landeskirche. Im 19. Jahrhundert wurden die Beziehungen zwischen Kirchen und Staat auf die römisch-katholische und die christkatholische Landeskirche ausgedehnt. Die jüdischen Gemeinden Bern und Biel erhielten 1997 die öffentlich-rechtliche Anerkennung. 

Die Religionslandschaft des Kantons Bern hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert: Gemäss der 2020 veröffentlichten Datenerhebungen des Bundesamts für Statistik bilden die Reformierten mit 49% zwar nach wie vor die grösste Gruppe, aber nicht mehr die Mehrheit der Bevölkerung (ab 15 Jahren).

Der Anteil der Menschen ohne Religionszugehörigkeit beträgt aktuell 23%. Zudem ist die Religionslandschaft des Kantons Bern aufgrund der Zuwanderung von Menschen anderer Religionszugehörigkeit deutlich vielfältiger geworden. Ein Drittel der Bernerinnen und Berner gehören heute einer als Verein organisierten Religionsgemeinschaft an oder verfügen über keine offizielle Zugehörigkeit.

Vor diesem Hintergrund verfolgt der Kanton Bern eine zeitgemässe Religionspolitik, die sowohl der Religionsvielfalt als auch den gesamtgesellschaftlichen Leistungen der Landeskirchen Rechnung trägt.

Zwischenbilanz

Das neue Landeskirchengesetz ist seit dem 1.1.2020 in Kraft. Es bildet die Grundlage für das partnerschaftliche Verhältnis zu den anerkannten Landeskirchen und betont deren Beitrag zur solidarischen Gemeinschaft, zur Vermittlung grundlegender Werte, zum Frieden unter den Religionen, zur religiösen Bildung und zur Kulturpflege.

Seit dem 1.1.2020 sind rund 600 Pfarrpersonen nicht mehr beim Kanton Bern, sondern direkt von der jeweiligen Landeskirche angestellt. Die finanziellen Mittel dafür kommen im bisherigen Umfang von rund 72,6 Mio. Franken jährlich vom Kanton. Ab 2026 richtet der Kanton den Kirchen einen Sockelbeitrag zur Wahrung der historischen Rechtstitel im Zusammenhang mit der Übernahme der Kirchengüter aus. Zudem unterstützt er die Kirchen mit einem Beitrag für ihre Leistungen im gesamtgesellschaftlichen Interesse. Mit dieser sanften Entflechtung von Kirchen und Staat wird die Autonomie der Landeskirchen gestärkt.

Für Religionsfragen ist der «Beauftragte für kirchliche und religiöse Angelegenheiten» (BKRA) zuständig. Neu gehört auch die Vielfalt der Religionsgemeinschaften des Kantons Bern zu seinem Aufgabenbereich, was sich in der Ergänzung «religiös» in der Stellenbezeichnung ausdrückt.

Ausblick

Die Gestaltung des Verhältnisses zwischen Staat und Landeskirchen fordert beide Seiten heraus. Im Rahmen der Umsetzung des neuen Landeskirchengesetzes gilt es zu klären, welche Aufgaben der Landeskirchen im staatlichen Interesse liegen.

Eine weitere Herausforderung ist der Einbezug jenes Drittels der Bevölkerung in die künftige Religionspolitik, das nicht in einer anerkannten Landeskirche vertreten ist. Die verschiedenen Religionsgemeinschaften des Kantons Bern unterscheiden sich theologisch, aber auch aufgrund der Sprache, des Organisationsgrads sowie der unterschiedlichen Erfahrungen mit staatlichen Strukturen in Herkunftsländern. Der Beziehungsaufbau und die Kontaktpflege fordern verschiedene kantonale Stellen heraus. Die DIJ plant folgende Schritte:

  • Mit einer digitalen Religionslandkarte soll die Vielfalt der Religionsgemeinschaften veranschaulicht und die Kontaktaufnahme vereinfacht werden.
  • Ein religionspolitisches Monitoring soll die Grundlage bilden, um die heutige Ungleichbehandlung der verschiedenen Religionsgemeinschaften bei der Finanzierung, der Ausbildung oder der Seelsorge zu verringern.
  • Die Vernetzung mit relevanten Akteuren verschiedener Religionsgemeinschaften soll rasches Handeln ermöglichen im Alltag und im Krisenfall.
  • Auf der Grundlage des neuen Landeskirchengesetzes soll das partnerschaftliche Verhältnis zwischen Kanton und Landeskirchen erneuert und weiterentwickelt werden.

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