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Aufnahmeverfahren bei Kindern aus Vertragsstaaten des HAÜ

Ist die Eignungsabklärung erfolgt und eine Eignungsbescheinigung ausgestellt worden, wird das Elterndossier von den Gesuchstellern zusammengestellt, ggf. mit der Unterstützung der Vermittlungsstelle, sofern eine Solche involviert ist. Das Elterndossier (enthaltend Eignungsbescheinigung, Sozialbericht und je nach Land weitere Dokumente, mit den nötigen Übersetzungen und Beglaubigungen) wird von der Zentralbehörde des Kantons an die Zentrale Behörde des Bundes weitergeleitet. Diese prüft das Dossier auf seine Vollständigkeit hin und übermittelt die Unterlagen an die Zentrale Behörde des Heimatstaates des zu adoptierenden Kindes. Diese wiederum übermittelt nach Bekanntwerden der Identität des Kindes dessen Dossier via Zentralbehörde des Bundes an das Kantonale Jugendamt (KJA). Sobald das KJA das Kinderdossier erhalten hat, wird dieses dahingehend geprüft, ob der Kindervorschlag hinsichtlich Alter und Gesundheitszustand den in der Eignungsbescheinigung aufgeführten Voraussetzungen entspricht. Entspricht der Kindervorschlag den Eignungskriterien, nimmt das KJA oder die Vermittlungsstelle mit den künftigen Adoptiveltern Kontakt auf. Diese haben sich darüber zu äussern, ob sie mit der Aufnahme dieses Kindes einverstanden sind und müssen eine entsprechende Zustimmungserklärung unterzeichnen.

Wenn die Adoption bereits im Herkunftsland des Kindes ausgesprochen werden soll (Volladoption), wird das KJA mittels eines Matching-Entscheids über die Fortsetzung des Verfahrens entscheiden und der Adoption im Herkunftsland zustimmen, sofern die Voraussetzungen für eine Adoption nach schweizerischem Recht erfüllt sind. Das KJA lässt seinen Entscheid via Zentralbehörde des Bundes den heimatlichen Behörden des Kindes mitteilen (Matching-Verfahren). Die Zentralbehörde des Bundes stellt die nötigen Einreisedokumente (Laisser passer) aus.  Die Adoption wird daraufhin im Herkunftsland (in Anwesenheit der Adoptiveltern) ausgesprochen und das Kind kann einreisen. Die Einreise des Kindes ist innert 10 Tagen dem KJA zu melden und es sind sämtliche Adoptionsunterlagen im Original vorzulegen.

Die Adoptiveltern sind bei der Einreise des Kindes bereits die gesetzlichen Vertreter des Kindes und somit im Besitz sämtlicher Elternrechte. Allerdings wird die Eintragung der im Ausland ausgesprochenen Adoption einige Zeit beanspruchen - es handelt sich um ein sog. Zivilstandsereignis im Ausland, das durch die Schweizervertretung im Herkunftsland des Kindes mittels den Originalakten dem Eidgenössischen Amt für Zivilstandswesen gemeldet wird. Dieses leitet die Dokumente an die Aufsichtsbehörde über die Zivilstandsämter im Heimatkanton der Adoptiveltern zur Eintragung weiter.

Um die Adoptiveltern und das Kind in der ersten Zeit zu unterstützen und zu beraten, wird eine Adoptionsbeistandschaft (Art. 17 des Bundesgesetzes zum Haager Adoptionsübereinkommen BG-HAÜ) errichtet. Diese erlischt nach 18 Monaten von Gesetzes wegen, sofern keine anderen Kindesschutzmassnahmen notwendig sind.

Wenn die Adoption erst in der Schweiz ausgesprochen werden soll (einfache Adoption im Herkunftsland), stellen die fremdenpolizeilichen Behörden gestützt auf den Matching-Entscheid eine Ermächtigung zur Visumserteilung, welche die Schweizervertretung im Herkunftsland zur Ausstellung eines Visum ermächtigt. Die Einreise des Kindes ist innert 10 Tagen dem KJA zu melden und es sind sämtliche Adoptionsunterlagen im Original vorzulegen.

Die Adoptiveltern sind während der Dauer eines Jahres Pflegeeltern. Frühestens nach einem Jahr kann die Adoption nach schweizerischem Recht beantragt und vollzogen werden. Damit die gesetzliche Vertretung des Kindes während dem Pflegejahr sichergestellt ist, wird eine Vormundschaft gestützt auf Art. 18 des Bundesgesetzes zum Haager Adoptionsübereinkommen BG-HAÜ errichtet. Zudem wird die Pflegekinderaufsicht am Wohnsitz der Adoptiveltern mit der Überwachung des Pflegeverhältnisses betraut. Sie erstellt nach dem Pflegejahr einen Bericht zuhanden der Adoptionsbehörden.

Hinweis

Sämtliche Unterlagen dürfen nicht älter als 6 Monate sein und sind in deutscher, französischer oder englischer Sprache einzureichen. Allfällige Übersetzungen müssen beglaubigt sein (schriftliche Erklärung der übersetzenden Person genügt). Jedes Kind muss nach seiner Einreise bei der örtlichen Fremdenkontrolle angemeldet werden, sobald die Bewilligung vorliegt.

Ein Kind darf erst nach Erteilung der Bewilligung aufgenommen werden. Wer ein Kind aus dem Ausland ohne Bewilligung bei sich aufnimmt, macht sich strafbar und muss mit Haft oder Busse bis Fr. 20'000.— (Art. 22 BG HAÜ) sowie der Umplatzierung des Kindes rechnen.


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